Das Amerlinghaus macht wieder mobil gegen die Vernachlässigung der Kultur

Wien: Rot-Grün will Amerlinghaus zusperren
Utl: Kulturzentrum Amerlinghaus soll ruiniert werden – Widerstand
angekündigt.

Wien. Die rot-grüne Stadtregierung will offenbar das traditionelle
alternative Kultur- und Kommunkationszentrum Amerlinghaus ruinieren. Die
Gehälter der Angestellten werden nicht mehr bezahlt, in Teilen des
Hauses gibt es bereits keinen Strom mehr. Bereits Anfang Sommer konnte
eine Räumungsklage nur knapp abgewehrt werden.

Für eine Vielfalt emanzipatorischer, selbstorganisierter Projekte,
kritischer Basiskulturarbeit, antirassistischer, interkultureller und
sozialer Arbeit ist der drohende Wegfall des Kulturzentrums im
Amerlinghaus existenzgefährdend.

Das Amerlinghaus, das seit Jahren vergeblich um die dringend notwendige
Wertanpassung der Subvention an die Inflation verhandelt, ist vom
jüngsten Vorschlag der Gemeinde Wien existentiell bedroht. Die
Stadtregierung schlägt aktuell vor, das Haus in dieser Form aufzulösen
und große Teile des Hauses der GESIBA zur gewinnbringenden Verwertung zu
übergeben. Um Druck dafür zu erzeugen, werden nun notwendige Gelder
zurückgehalten.

Renate Nahar: „Angestellte sitzen nun ohne Gehalt teils in Räumen ohne
Licht und ohne Telefon. Ist das rot-grüne Sozialpolitik? Wir fordern
sofortige und ernsthafte Verhandlungen von der Gemeinde!“

Über 50 Gruppen, Initiativen und Projekte, die das Haus regelmäßig für
vielfältige Aktivitäten nutzen, sowie ein weiter Kreis an punktuellen
NutzerInnen, die auf das Kultur- und Kommunkationszentrum als wichtige,
oft einzige Ressource angewiesen sind, kündigen entschiedenen Widerstand
an. Das Spektrum umfasst dabei politische Organisationen, Kindergruppen,
MigrantInnen-Initiativen, einen Roma-Kultur-Verein, Deutschkurse,
PensionistInnengruppen, Erwerbsarbeitslosen-Gruppen, Selbsthilfevereine,
Kunst- und Kulturprojekte sowie einen Verlag.

Michi Bonvalot kündigt einen heißen Winter an: „Das Amerlinghaus ist ein
zentraler Bezugspunkt für sehr viele Menschen in Wien. Der Preis für
eine etwaige Räumung des Hauses wird für Rot-Grün sehr hoch werden.“
Michi Bonvalot weiter: „Wir fordern den Erhalt des Hauses, die
ausstehenden Zahlungen sowie die Zuschüsse für dringende Sanierungen.
Wenn die
rot-grüne Stadtregierung denkt, dass sie am teuren Spittelberg ein Stück
widerständiges Wien gewinnbringend verkaufen kann, hat sie sich
geschnitten.“

Claudia Totschnig: Wir fordern, dass das Zentrum im Amerlinghaus, das
über 30 Jahre der Zuführung einer kapitalistischen Verwertung und
Kommerzialisierung, von der es umgeben ist, widerstanden hat, nicht nur
wegen seiner Geschichte, sondern auch wegen seiner gegenwärtigen
Position als interkulturelles, offenes und kritisches Zentrum als Teil
der emanzipatorischen Kultur in Wien erhalten wird!

Die Gemeinde-eigene GESIBA musste jüngst auf politischen Wunsch der
Stadt Wien Millionenverluste im Shopping-Center Gasometer schlucken.
Offenbar sollen nun Teile der Verluste durch eine Verwertung des
Amerlinghauses am Wiener Spittelberg aufgefangen werden.

Seit 33 Jahren ist das Kultur- und Kommunikationszentrum im Amerlinghaus
eine offene, niederschwellige Einrichtung, in der kritische, nicht
kommerzielle Kulturarbeit stattfindet, in der soziale und politische
Initiativen, oft auch gemeinsam, arbeiten. In einer Zeit, da immer mehr
emanzipatorische Projekte ums Überleben kämpfen und Freiräume
durchkapitalisiert werden, ist das Zentrum im Amerlinghaus eine der
wenigen Infrastrukturen, in welcher Initiativen und Menschen, die über
keine oder kaum eigene Ressourcen verfügen, unbürokratisch Zugang,
Unterstützung, Arbeitsraum, Vernetzungsmöglichkeiten sowie
Öffentlichkeit für vielfältige Aktivitäten finden.

KRISE BRAUCHT KULTUR!
KULTURZENTRUM IM AMERLINGHAUS BLEIBT!

DAS IST EINE PRESSEAUSSENDUNG DES AMERLINGHAUSPLENUMS.

~ von Lady Sabine - November 13, 2011.

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